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Jan Wawrzyniak
Neue Bildräume



 


Jan Wawrzyniak. Neue Bildräume.
Galerie m Bochum



Jan Wawrzyniak, Ohne Titel, 2010,
Kohle auf grundiertem Baumwollgewebe,
ca. 112 x 149 cm



Jan Wawrzyniak, Ohne Titel, 2009,
Kohle auf grundiertem Baumwollgewebe,
ca. 150 x 152 cm

Vom 19. Februar bis zum 8. Mai 2010 stellt die Galerie m Bochum aktuellste Werke von Jan Wawrzyniak aus. Der 1971 in Leipzig geborene Künstler wurde mit zahlreichen Stipendien bedacht und seine Werke waren zuletzt in der Ausstellungsreihe „Gezeichnete Bilder“ in den Jahren 2007 bis 2009 unter anderem in Erfurt, Kaiserslautern und Cottbus zu sehen. Heute lebt und arbeitet Jan Wawrzyniak in Berlin. Er untersucht in seinen Werken intensiv die Wirkung elementarer gestalterischer Mittel. Mit Kohle auf Leinwand komponiert er seine Bilder, die in vielerlei Hinsicht reduziert sind: Auf Linie und Form, auf schwarze, graue und weiße Flächen. Seine Bilder sind nicht an ein Motiv gebunden, sondern erzeugen allein durch das Zusammenspiel der Elemente perspektivisches Sehen, das aber stets changiert zwischen einer räumlichen und flächigen Wahrnehmung. Die Ausstellung der Galerie m zeigt einen völlig neuen Aspekt in Jan Wawrzyniaks Bildsprache: In den aktuellen Werken gibt der Künstler seinen Leinwänden asymmetrische Formen. Diese erzeugen innerhalb des Bildgefüges, aber auch im Zusammenspiel mit den Ausstellungsräumen neue Spannungen und Raumwirkungen, die im Zuge der Ausstellung erstmals erfahrbar werden.

Vergleicht man Jan Wawrzyniaks „Bildräume“, fällt auf, dass sich in allen Werken ein experimenteller Umgang mit Linie, Fläche und Raum zeigt, der Künstler dabei jedoch zwei unterschiedliche Bildkonzepte verfolgt. Zum einen sind Werke verschiedener Formate zu sehen, die stets nur aus zwei Flächen bestehen. Dabei scheint sich eine geometrische Fläche, die ihre Form durch das asymmetrische Leinwandformat und die begrenzenden Linien innerhalb des Bildes erhält, wie eine Wand in den Bildraum zu schieben. In anderen Bildern erzeugt Jan Wawrzyniak mit drei verschiedenen Flächen, deren Ecken in einem Punkt des Bildes zusammenlaufen, den Eindruck, das Bild öffne den Blick hinein in eine Raumecke. Dabei ist nicht auszumachen, in welchem Verhältnis die einzelnen Flächen zueinander stehen und ob die imaginäre Ecke aus dem Bild herausragt oder innerhalb des Bildes liegt.
Die Art und Weise, wie Jan Wawrzyniak mit den Bildräumen umgeht, ist insofern grundlegend verschieden. Gemeinsam haben die Werke jedoch im Zusammenspiel mit den Galerieräumen die starke Wirkung auf das räumliche und körperliche Empfinden des Betrachters: Die einfachen Bildkonstruktionen, die verzerrten Bildkörper, die Art und Weise der Präsentation sowie die Ausstellungsräume selbst lassen ein Gefüge entstehen, innerhalb dessen sich der Rezipient seiner Raumorientierung nicht mehr sicher sein kann. Der Hinweis, dass innerhalb jedes Bildes eine Vertikale oder Horizontale angelegt ist, sei es eine bildimmanente Linie oder die Kante des Keilrahmens selbst, sorgt nur teilweise für Klarheit. Denn neben den asymmetrischen Formen der Leinwände entwickeln die Flächen selbst durch die Hell-Dunkel Kontraste eine starke Eigendynamik. So kommt es zu optischen Eindrücken, die die faktische Horizontalität oder Vertikalität von Kanten und Linien verschleiern. Ohne dass diese vom Künstler intendiert wären, treten sie im Ausstellungskontext jedoch unmittelbar in Erscheinung. So versucht der Betrachter vergeblich, optisch Halt zu finden, und wird sich in diesem Sinn seiner eigenen Position im Raum bewusst, die als weitere Instanz das Spannungsgefüge der Ausstellung beeinflusst.

Die Frage nach der Reduktion der gestalterischen Mittel ist in der gesamten Ausstellung präsent, die nicht zuletzt ein überraschendes Variationspotential der beiden Gestaltungsmittel Kohle und Leinwand offenbart. So wirken manche Flächen vollkommen glatt, fast maschinell gefertigt. Andere hingegen zeigen den Arbeitsprozess deutlich in Form von Verwischungen, Kratzspuren oder kleinen Kohlepartikeln, die aus der Oberfläche hervortreten. Am weitesten geht Jan Wawrzyniak mit der Reduktion der Gestaltungselemente dort, wo seine Bilder keine Flächen mehr zeigen, sondern lediglich eine schwarze, filigrane Linie auf weißer, grundierter Leinwand. Die Räume, die von den anderen Werken kraft- und spannungsvoll hervorgerufen werden, erscheinen hier aufgelöst und zerbrechlich. Und trotzdem existieren sie in der Imagination des Betrachters. Das macht den Reiz dieser Bilder aus, denn zugleich könnte der Hinweis auf die Undurchdringbarkeit und Flächigkeit der Leinwand, die hier fast unbehandelt in ihrer Materialität und Struktur in Erscheinung tritt, größer nicht sein.