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P,E,T,E,R,W,E,G,N,E,R,
Vom 13. Februar bis zum 9. Mai 2009 präsentiert die Galerie m Bochum erstmalig eine Auswahl von Werken des amerikanischen Künstlers Peter Wegner (*1963, South Dakota). Wegner lebt und arbeitet in Berkeley, Kalifornien und ist in den Vereinigten Staaten bereits durch mehrere große Ausstellungen bekannt geworden.
 


IF (BLUE) THEN (BLUE), 2008



SPACE, TIME & THE WEATHER, 2003



GENERAL PRINCIPLES, 2009



REVERSE ATLAS XI, 2009

Ein Eindruck von der außergewöhnlichen Beobachtungsgabe und Offenheit mit der Peter Wegner seine Umwelt wahrnimmt, vermittelt das nachfolgende Zitat. Seine Gedanken zu den Fotografien der Serie Buildings Made Of Sky (2008/09), die das Thema Stadtraum auf eine völlig neue Weise präsentieren, sind hilfreich für das Verständnis seines gesamten künstlerischen Schaffens.

„Als ich eines Tages in New York die Straße entlanglief, blickte ich flüchtig auf und sah ein unsichtbares Gebäude, das frei zwischen den anderen hing. Es stand auf dem Kopf, hatte die Farbe von Luft. Einige Schritte weiter verschwand es. Dann, nach der nächsten Ecke, sah ich ein weiteres Gebäude dieser Art. Ich fühlte, dass ich über etwas Außergewöhnliches gestolpert war, eine geheime Stadt, strahlend und fremd. [...] Kurze Zeit später begann ich mit den Fotografien, die dann zu den “BUILDINGS MADE OF SKY“ wurden. [...] Das Wichtige, das ich dabei gelernt habe, ist, die Aufmerksamkeit auf nichts Bestimmtes zu richten. Glaube daran, wünsche es dir, und die Gebäude geben sich zu erkennen als BUILDINGS MADE OF SKY“.

Dieser Kommentar veranschaulicht Wegners besonderen Blick auf die Welt, sein strukturelles Beobachten. Oft bewegt er sich in den Grenzbereichen der Wahrnehmung, sieht, was den meisten von uns verborgen bleibt und setzt seine Ideen mit großer Sensibilität künstlerisch um. Aus Farbwerten, Formen, Mustern und Zeichen erschafft er abstrakte und gestalterisch äußerst klare und eindrucksvolle Werke, die sich durch ihre starke sinnliche Präsenz auszeichnen. Er versteht es, mit reduzierten Mitteln komplexe Strukturen oder eine große Variation an Farbtönen so zu kombinieren, dass sich die einzelnen Elemente zu einer überaus harmonischen Gesamtheit fügen. Mal setzt er dabei den Fokus eher auf Details, ein anderes Mal geht es ihm um die Gesamtwirkung von Farben, Formen und Strukturen.

Der weite Bogen, den Wegner von subtilen Formulierungen in Buchobjekten und Papierarbeiten bis zu großen raumgreifenden Installationen spannt, wird in der Werkauswahl der aktuellen Ausstellung nachvollziehbar. Bilder, Fotografien, Installationen sowie Objekte aus den Werkgruppen WHAT, REVERSE ATLAS, BUILDINGS MADE OF SKY, Remarks On Color, New York Mappings u.a. vermitteln einen Überblick über Wegners vielschichtige Schöpfungen.

Die beeindruckende 40-teilige Arbeit SPACE, TIME & THE WEATHER, 2003 (Remarks on color) wirkt wie ein gigantisches geometrisches Spektrum von Blautönen. Seinen Rhythmus erhält es durch die serielle Reihung der Balken und die regelmäßigen weißen Querstreifen. Nur wenn man sich der Installation von der Seite her nähert, erkennt man die Bezeichnungen zu den einzelnen Blautönen, die von handelsüblichen Farbkarten stammen. Sie bezeugen die Grenzen der Sprache, die der unendlichen Fülle von Farbschattierungen nicht gerecht zu werden vermag.

Die mehrteiligen Bilder aus der Serie WHAT stellen eine besondere Art „Bibliothek“ dar. Diese besteht nicht aus Büchern, sondern nur aus Titeln: GENERAL PRINCIPLES, CROWDS, MEN AND WOMEN.... Die Serie thematisiert den Versuch, eine stetig wachsende Anzahl von Titeln systematisch zu kategorisieren und damit im übertragenen Sinne, unsere sich ständig differenzierende Welt. Reichen Wörter nicht mehr aus, müssen sie durch immer längere Zahlenkombinationen ergänzt werden: Die ständige Erfindung neuer Systeme ist „eine hoffnungslose Aufgabe, absurd, irrsinnig. Aber – was gibt es für Alternativen?“

Bei den Collagen REVERSE ATLAS XI und XII handelt es sich um auseinander geschnittene und neu zusammengefügte Landkarten. Damit kehre er den „Akt der Gewalt“ um, so Wegner, der begangen wurde, als die räumliche Welt in Sektionen aufgeteilt und auf ein Blatt Papier gezwungen wurde. Die Besonderheit der Collagen besteht darin, dass sich das komplexe Muster aus Linien, Schriftzeichen und farbigen Flächen zu einer vollkommen neuartigen „Landkarte“ verbindet, bei der der Bildcharakter eindeutig im Vordergrund steht.

Dieser ausschnitthafte Überblick zeigt die Vielfältigkeit und Komplexität der Werke von Peter Wegner. Sie oszillieren zwischen den Gattungen, zwischen intellektueller Konzeptkunst und sinnlichem Erlebnis, zwischen Reduktion und Fülle: „Ich möchte Werke erschaffen, die gleichzeitig schnell und langsam, monumental und vergänglich, einfach und komplex sind; sie sollen üppig und schlicht sein! Ich möchte, dass sie Malerei und Skulptur und Architektur sind! Ich möchte, dass sie fühlbar sind [...].


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