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Lee Ufan
Silence
31. März - 28. Juni 2006
 
















Lee Ufan, 1936 in Korea geboren, siedelte 1956 nach Japan über. Seit 30 Jahren begleitet die Galerie m Bochum schon die künstlerische Entwicklung von Lee Ufan, der spätestens seit seiner Beteiligung an der 7. Biennale von Paris und der Documenta VI in Kassel in den 1970er Jahren zu den bedeutenden Positionen zeitgenössischer Kunst zählt. 2001 wurde sein malerisches Werk mit dem renommierten Praemium Imperiale ausgezeichnet.

Die aktuelle Ausstellung mit dem Titel „Silence“ wurde am 31. März 2006 in Anwesenheit Lee Ufans eröffnet und dauert noch bis zum 28. Juni 2006 an. Sie ermöglicht einen umfassenden, gattungsübergreifenden Überblick über die aktuellen Arbeiten von Lee Ufan. Neben einer Wandmalerei und Installationen, die der Künstler vor Ort im Innen- und Außenbereich realisiert hat, zeigt die Galerie m neue Arbeiten aus der Serie Correspondence sowie farbintensive Aquarelle.

Der Ausstellungstitel „Silence“ steht im Widerspruch zu unserem Alltag, der von einer Flut an Informationen und Bildern bestimmt wird, in dem Stille und Konzentration in den Hintergrund getreten sind – ganz im Gegensatz zu den Werken von Lee Ufan, dessen Kunst sich durch den minimalen künstlerischen Eingriff, der sensiblen Zurückhaltung in der unausgeführten Handlung auszeichnet. Seine Bilder sind in kontemplativer Ruhe und äußerster Beschränkung des künstlerischen Selbstausdrucks gemalt. Dies erfordert eine Disziplinierung, die sich Lee Ufan innerhalb der Malerei durch ständige Wiederholung der gleichen strengen Übung zu Eigen gemacht hat. Vereinzelt gesetzte breite Pinselstriche charakterisieren die Serie Correspondence. Die Pinselstriche vollzieht Lee Ufan im Einklang mit seiner Atmung, wodurch der Akt des Malens zu einer rein körperlichen Geste wird. Das konzentrierte Ausatmen findet im gleichmäßigen, fließenden Verlauf des Pinselstrichs seinen Ausdruck.

Lee Ufan ist ein außergewöhnlicher Kenner europäischer Philosophie. Seine praktische Arbeit reflektiert er kontinuierlich in theoretischen Erörterungen. Das zentrale Motiv ist die Transzendenz, der Bereich, der die visuelle Wahrnehmung und das Vorstellungsvermögen überschreitet. Es geht ihm nicht darum, ein Kunstobjekt zu realisieren, sondern er nutzt die Kunst, um die umgebende Stille und Leere, „den großen schillernden Kosmos“ sichtbar zu machen. „Schließlich möchte ich durch die Begrenzung des Ego auf ein Minimum den Bezug zur Welt auf ein Maximum steigern. Ich bin es, der die Korrespondenzen herbeiführt, aber dass einen aus dem Werk heraus ein Unendlichkeitsgefühl anweht, das beruht auf der Kraft des leer gebliebenen Raumes. Meine Werke, hoffe ich, erscheinen auch anderen als das, was sie für mich selbst sind, halbtransparente Dinge, die stets das Unbekannte in sich einschließen.“

Auf den zum Teil sehr großen, ungerahmten, weißen Leinwänden (218 x 291 cm) verliert die Malerei ihre Vorrangstellung. Lee Ufans Werke sind als Impulse zu verstehen, die eine Öffnung gegenüber der umgebenden Leere – die Unendlichkeit als übergeordnete Instanz – bewirken.
In der Wandmalerei Resonance, die Lee Ufan am 29. März 2006 vor Ort realisiert hat, führt der Verzicht auf die Leinwand zu einer noch unmittelbareren Öffnung zum Raum und zum Betrachter. Gleichzeitig tritt hier das Bewusstsein um die Vergänglichkeit der vom Menschen geschaffenen Welt stärker in den Vordergrund. Die Pinselstriche Lee Ufans scheinen – noch durch die Farbigkeit und deren Verteilung begünstigt – im Inbegriff des Verschwindens zu sein.

Seine plastischen Arbeiten fasst Lee Ufan unter dem Begriff „Relatum“ zusammen. Sie sind meist charakterisiert durch die Gegenüberstellung von Stahl und Stein, die sich in Ihrer Materialität und Ihrer Herkunft grundlegend unterscheiden. Während die Stahlplatten industriell gefertigt, standardisiert bzw. abstrahiert sind, sind die Natursteine unberührt und unbestimmt. Lee Ufan löst sie aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang, um sie an einem bestimmten Ort in direkte Beziehung zueinander, dem Raum und dem Menschen zu setzen. Damit schafft er einen außergewöhnlichen Erfahrungsraum, der über das bewusste Sehen hinausweist – einen Raum der Stille und Meditation. Der Eindruck der Leichtigkeit dieser Installationen widerspricht dem enormen Kraftaufwand, den es kostet, die gewichtigen Steine und Platten zusammenzuführen.
Die Materialien entwickeln in Ihrem neuen Kontext ein spezifisches Spannungsfeld. Während den Stahlplatten vor allem ein statisches Moment Eigen ist, entwickeln die Steine eine transzendentale Qualität. In der Installation Relatum – go and stop dominiert der Eindruck von Lebendigkeit der Steine, die in ihrer Bewegung zum Teil von den Stahlplatten aufgehalten werden. In Relatum – meditation dagegen scheint der Stein in sich zu ruhen, im Schatten einer paraventartigen Stahlkombination.

Die Arbeiten Lee Ufans sind einfach und gleichzeitig kompliziert. Sie erfordern ein gewisses Maß an Spiritualität, um die dialogische Struktur zwischen den Werken, dem Raum und sich selbst zu erfahren. Weder das Auge noch der Verstand können die Stille in Lee Ufans Verständnis erfassen: „Es ist menschlich davon zu träumen, die Grenzen des Bewusstseins zu überschreiten. Daher sollte künstlerischer Ausdruck zu einer Reflexion und dem Überspringen der Vorstellungskraft führen“.