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Antje Dorn | François Perrodin
11. April bis 9. August 2014
 


Antje Dorn
#22 aus der Serie "Bauten", 2014
50 x 40 cm, Öl auf Leinwand



François Perrodin
"74.14", 2013
27 x 27 x 9 cm, Acryl/Holz



Antje Dorn
#19 aus der Serie "Bauten", 2014
40 x 30 cm, Öl auf Leinwand



François Perrodin
"69.45", 2012
18 x 18 x cm, Acryl/Holz


Die Ausstellung stellt einen Dialog zwischen Antje Dorns Malereien der neuen Serie „Bauten“ und Werken von François Perrodin her. Die Galerie m lässt sich damit auf eine experimentelle Konstellation zweier sehr unterschiedlicher Werkkomplexe ein, die neue und überraschende Sichtweisen und Einsichten verspricht.

Die Berliner Künstlerin Antje Dorn (*1964 Aachen) nutzt in ihrer neuen Serie „Bauten“ die Gestaltungsfreiheiten der Malerei, um Architekturfantasien zu entwickeln. Ihre spielerisch anmutenden Konstruktionen widersetzen sich der Logik der Schwerkraft und schweben scheinbar vor dem monochromen Hintergrund, wie durch ein Gravitationsfeld zusammen-gehalten.
Die Baukörper, frei erfundene Architekturkomplexe aus Quadern und Würfeln, Swimming Pools und Aussichtsplattformen, Treppen und Rampen, wirken in ihrer Gesamtheit geschlossen und ausbalanciert. Sie stehen erhaben über der Landschaft und sind nur minimal mit einem meist kargen Felsen verbunden oder gar losgelöst von ihm, wodurch sie den Eindruck von Schwerelosigkeit vermitteln. Immer wieder findet sich ein Wechselspiel zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit. Vereinzelte Farbflächen, die sich nicht deuten lassen, verweisen auf die Autonomie der Malerei, die keine abbildende Funktion haben muss und nur ihren eigenen Gesetzen folgt.
Die Bilder zeugen von einem experimentellen Umgang mit der Perspektive. Die verschiedenen Blickwinkel, die dadurch entstehen, führen zusammen mit den kräftigen Farben zu einer lebendigen Wirkung. Zudem sind die formale Reduktion und die monochromen Flächen Ausdruck eines spezifischen Zeichenverständnisses, das die Wahrnehmung leitet und Sinn stiftet.
Wie auch in der Landschaftsserie „Milkyway“ findet sich auch hier das Absurde als erzähleri-sches Element wieder, wenn zum Beispiel Rampen wie Sprungbretter in den leeren Raum ragen oder die einzelnen geometrischen Formen eine eigenständige Beweglichkeit entwi-ckeln.

Die monochromen Wandobjekte von François Perrodin (*1956 Guadeloupe, lebt und arbeitet in Paris) treten vor dem weißen Hintergrund deutlich hervor und begegnen dem Betrach-ter unmittelbar. Während die Werke frontal gesehen als bemalte polygonale, rechtwinklige Flächen erscheinen, verändert sich deren Kontur mit der Bewegung des Betrachters kontinuierlich. „Das Objekt bleibt selbstverständlich dasselbe, doch die Art, wie wir es betrachten, wird durch den Kontext verändert“, wie es der Künstler selbst formuliert. Die dunklen, opaken Grautöne, denen auch Grün, Blau oder Violett beigemischt ist, lassen keinen Pinselduktus erkennen. Sie sind so gewählt, dass sie entsprechend der Form ihres Bildträgers das Spiel von Licht und Schatten zulassen und damit auf die Gegebenheiten des Raumes mit seinen Lichtverhältnissen reagieren. Gleichzeitig absorbiert die matte und gleichmäßige Malschicht das Licht, wodurch der Gegenstand massiv und schwer wirkt – wie auch die einzelnen Elemente der Arbeit „76.1“. Die zwölf Quadrate, die sich in der Größe und in den Farbtönen subtil unterscheiden, folgen mit ihrer Positionierung einem virtuellen Raster. Die regelmäßige Anordnung und Zentrierung auf den Kreuzungspunkten sowie die Ausgewogenheit der quadratischen Einzelform an sich steht im scheinbaren Widerspruch zu der Wahrnehmung durch den Betrachter. Die Quadrate werden optisch in Schwingung ver-setzt und vermitteln ein Gefühl von Leichtigkeit und Bewegung – ein Phänomen, das sich auch in der Betrachtung der Werke von Antje Dorn beobachten lässt. François Perrodin definiert für jede Serie Kriterien, die Aussagen zur Beschaffenheit der Oberfläche, den auf Zahlenverhältnissen basierenden Proportionen und zu den Farbwerten und deren Zusammenspiel treffen. Die Werke sind trotz dieser rationalen Komponenten von einer unbestimmbaren Wahrnehmung geprägt. Sie erschließen sich auf intuitivem Wege und immer wieder neu.

So unterschiedlich die beiden ausgestellten künstlerischen Positionen auf den ersten Blick sind, so überraschend ist es, dass sich durch die Gegenüberstellung der Werke von François Perrodin und Antje Dorn Parallelen zeigen. Sie reichen von formalen Überlegungen bis hin zur Frage nach dem Gegenstand und dessen Wirkung.
In beiden Werken lässt sich ein Wechselspiel zwischen rationaler Verifizierbarkeit und der intuitiven Wahrnehmung beobachten. Die Objekte Perrodins beruhen auf präzisen Definitionen, die sich auf theoretischem Wege nachvollziehen lassen. Diese Voraussetzung steht in einem gewissen Widerspruch zu ihrer Wahrnehmung. Während wir die Flächen und Formen im ersten Moment als stabil und ruhig empfinden, vermitteln sie bald eine Offenheit, die sich in ständiger Veränderung manifestiert. Dorn schafft auf intuitive und fantasievolle Weise Ar-chitekturbilder, die wir aufgrund ihrer Gestaltung und Komposition als ausgewogen und stimmig empfinden. Hierbei scheint es unwesentlich zu sein, dass die Konstruktionen keinen physikalischen Gesetzmäßigkeiten folgen.
In beiden Fällen stellt sich unser Eindruck als flüchtig und instabil heraus. Antje Dorn und François Perrodin konfrontieren uns mit der Frage nach dem, was wir sehen, und dem, was ist.