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Evelina Cajacob | Carla Guagliardi
Ausstellung vom 30. August 2013 bis zum 11. Januar 2014
 


Evelina Cajacob
Zeichnung, 2013



Videoinstallation
Il paun da mintgadi (das tägliche Brot), 2011/12




Carla Guagliardi
Partitura (I) / Score (I), 2012



Uns Águas, 1999-2004

Die Galerie m Bochum zeigt vom 30. August 2013 bis zum 11. Januar 2014 Werke der Künstlerinnen Evelina Cajacob (*1961 Sumvitg, CH) und Carla Guagliardi (*1956, Rio de Janeiro, BRA).

Elementare Bedingungen des Lebens, Natur, Zeit, Schwere und Leichtigkeit, Begrenzung und Offenheit sind die Parameter, um die die präsentierten Werke kreisen. Während Evelina Cajacob in Zeichnungen und Videoarbeiten zeitlosen und immer wiederkehrenden Phänomenen auf der Spur ist, beschäftigen Carla Guagliardi Fragen um unwiderrufliche Veränderungen, die in Materialien eingeschrieben sind. Beiden künstlerischen Positionen ist eine Unmittelbarkeit in der Präsentation und in den Materialien zu Eigen, die sich auch in der klaren ästhetischen Formsprache zeigt.

Die Videoprojektion im Eingangsbereich, Evelina Cajacobs LangeZeit, beginnt mit dem Ende eines langen, dicken Wollfadens, der aus dem Nichts zu kommen scheint. Eine menschliche Gestalt, von der nur der Oberkörper schemenhaft erkennbar ist, wickelt die raue Wolle geduldig und gleichmäßig zu einem immer dicker werdenden Knäuel. Im Verlauf der Zeit wird der Ball so groß und schwer, dass die Anstrengung der Handlung deutlich wird. Nach 80 Minuten beginnt der Loop von vorn.
Der handwerkliche Zeitaufwand tritt auch in den Zeichnungen der Schweizer Künstlerin zu Tage: Die Papiere und Wände werden von Strichen bedeckt, die oft nur wenige Millimeter lang sind. Zarte Schraffuren umreißen Konturen von pflanzlichen Strukturen oder schlängeln sich in knotenartigen, ewig transformierenden Schlaufen über Papiere. Die eigens für die Ausstellung der Galerie m entwickelte großflächige Wandzeichnung reagiert auf die die Galerie umgebende Vegetation. Der Außenraum wird in den Innenraum transformiert – doch nicht als Abbild, das 1:1 auf die Wand kopiert wird. Vielmehr findet die Idee von Licht und Schatten, Natur und Raum ihren Ausdruck in der Zeichnung.

Der Leichtigkeit der Werke von Evelina Cajacob sind die Installationen von Carla Guagliardi gegenübergestellt. In ihren Werken treten gegensätzliche Materialien als gleichwertige Protagonisten in direkten Bezug zueinander. Die Wechselbeziehung von Tragen und Getragen werden, sich gegenseitig Formen und Halten charakterisieren das Werk der in Rio de Janeiro geborenen Künstlerin. Die raumgreifende Bodeninstallation Verso besteht aus mehreren über vier Meter langen Holzbrettern, die teilweise gestapelt auf großen, mit Luft gefüllten, weißen Ballonen lasten. Diese werden durch das Gewicht der Balken verformt. Zugleich ist die Belastung Garant dafür, dass die Innenluft, nicht durch die unverknoteten Öffnungen der Ballone entweichen kann.
Die Elemente rund und eckig, tragend und lastend sind ebenfalls für die beiden Versionen der Wandinstallation Partitura / Score und auch für die hängende Installation aus Eisenstangen und Latexbändern, O Lugar do Ar (Der Ort der Luft), charakteristisch.
Carla Guagliardi Werke setzen physikalische Prozesse in Gang, in denen die Materialien im Spannungsfeld von Trägheit und Veränderung, Schwerkraft, Druck und Ausdehnung miteinander agieren.

Die Werke dieser beiden Künstlerinnen sind unprätentiös und vielschichtig. Sie stellen Fragen um die Begrifflichkeit von Dauer, Wiederholung und Entwicklung, Schwere und Geduld, Existenz und Erfahrung. Die Zeichnungen, Videoarbeiten und Installationen sind ihrer jeweils eigenen Zeit unterworfen, in die auch der Mensch eingebunden wird.