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Aino Kannisto

She and She
Seit 1997


Untitled (Woman with Sunglasses), 2011





Untitled (Red Wood Wall), 1997
Untitled (Black Veil), 1997




Untitled (White Stones), 1997
Untitled (White Brick Wall), 1997




Untitled (Girl Sleeping), 2010





Untitled (Woman Sleeping), 2008
Untitled (White Tub), 2008




Untitled (Scene Outside), 2011
Untitled (White Flowers in Vase), 2011


Die Galerie m Bochum zeigt vom 10. Februar bis zum 21. April 2012 in der Ausstellung „She and She. Seit 1997“ neben neuesten Arbeiten von Aino Kannisto bisher nicht gezeigte, frühe Fotografien. Damit widmet die Galerie der finnischen Fotografin zum dritten Mal eine Einzelausstellung und nimmt Brüche und Kontinuitäten in ihrem fotografischen Schaffen seit 1997 in den Blick.

In Aino Kannistos Fotografien ist immer sie selbst zu sehen in verschiedensten Räumen, Stimmungen und Rollen. Letzteres ist entscheidend: Ihre Fotografien dürfen nicht als Selbstporträts missverstanden werden. Vielmehr sind es imaginierte Leben, erdachte Szenen in ebensolchen Räumen, die dennoch unmittelbar aus dem Leben gegriffen scheinen. Ihre Werke speisen sich aus verschiedenen Bereichen der kulturellen und visuellen Realität. Werbung und Mode spielen in Aino Kannistos Inszenierungen eine Rolle und viele Fotografien offenbaren filmische Bilder als Inspirationsquelle. Tatsächlich dienen auch eigene Erlebnisse oder Menschen, die sie getroffen hat, als Startpunkte.

Es ist leicht und fast unvermeidbar, Geschichten um die Szene und Figur im Bild zu erdenken. Wer ist die Frau? Was für ein Ort umgibt sie? Was geschah vorher und was passiert nun? Interessanterweise lebt dieses offene Spiel mit Assoziationen und Phantasie ausgerechnet von den Dingen, die nicht im Bild sichtbar sind. Häufig entsteht durch den melancholisch, still aus dem Bild heraus gerichteten Blick der Frau ein Eindruck von Sehnsucht und Nachdenklichkeit. Der Anlass dazu scheint immer außerhalb des Bildes zu liegen. Vielleicht ist es die Beziehung zu einer unbekannten und zudem unsichtbaren zweiten Figur, die emotional ganz nah, räumlich jedoch weit entfernt ist. Die Räume selbst hüllen die Protagonistin schützend ein und kommen selten als Grund für ihre Melancholie in Frage.

Es ist nicht nur das unendliche Netz aus Gedankenfäden, das den Betrachter fesselt, sondern auch die Ästhetik der Fotografien, die Komposition der Formen und Farben. Nichts bleibt dem Zufall überlassen: Tapete, Wandfarbe, Kleidung und Alltagsgegenstände harmonieren farblich miteinander; der sorgfältig gewählte Bildausschnitt erzeugt Strukturen und ausgewogene Flächenbezüge. In den neuen Arbeiten seit 2010 fügt sich die weibliche Figur mehr denn je in die Komposition des Bildes ein. Die erzählerische Kraft, die in früheren Werken vor allem von der Figur ausgeht, tritt nun zurück zugunsten abstrakter Farb- und Flächengefüge, die sich durch besondere Klarheit und Reduktion auszeichnen.

Aino Kannistos Fotografien sind sowohl in ihrer ausgefeilten Komposition, als auch ihrer subtilen Stimmung hochgradig reizvoll und offenbaren das feine Gespür der Künstlerin - nicht nur für die Bildkomposition, sondern auch für eine einfühlsame Bildatmosphäre. Führt man sich in Anbetracht dessen vor Augen, dass sich Aino Kannisto im Moment der Aufnahme selbst vor, und nicht hinter der Kamera befindet, stellen ihre Fotos zudem ihre Meisterschaft in der Beherrschung des Mediums unter Beweis.