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Caroline von Grone


Himmelsleiter Front Sonnenlicht 1-4, 2009



Himmelsleiter II, August 2008



Himmelsleiter, Frühjahr 2009



Himmelsleiter III, April, 2009



November 2011
Abriss der Siedlung Himmelsleiter



Himmelsleiter Abriss Bagger, 2011








Himmelsleiter

7. Oktober 2011 - 3. Februar 2012

Freitag, den 7. Oktober eröffnet die Galerie m Bochum die Ausstellung Himmelsleiter mit Arbeiten des dokumentarischen Malereiprojektes von Caroline von Grone (*1963, Hannover).

Aus vier Blickwinkeln und in drei Formatgrößen dokumentiert Caroline von Grone eine Gruppe von Reihenhäusern in ihrer landschaftlichen Umgebung. Das profane Sujet bietet den Rahmen für ihre farbintensive Malerei. Die Künstlerin beschäftigt sich seit 2008 mit dieser Siedlung, die sie zu unterschiedlichen Lichtverhältnissen und Jahreszeiten malerisch festgehalten hat und auch die Zukunft der Häuser noch weiter begleiten wird.

Hinter dem poetischen Titel verbirgt sich die Bezeichnung einer 1948 in Kiel erbauten Witwenhäusersiedlung, deren Abriss für eine profitable Neubausiedlung beschlossen ist und in Kürze bevorsteht. Vier lange Reihenhäuser laufen parallel nebeneinander gegen einen Steilhang, auf den die namensgebende Stiege, die „Himmelsleiter“ führt. Die schlichten und pragmatischen Häuser erscheinen auf den Bildtafeln einerseits als gestaffelte Riegel, die auch ihr Umfeld in den Blick nehmen, und andererseits als Archetyp der Hausfront: Quadrat und dreieckiges Spitzdach. In unmittelbarer Nähe des ehemaligen Ateliers Caroline von Grones gelegen, bot die drohende Großbaustelle den unmittelbaren Anlass für das impressionistische Spiel mit Farbe. Caroline von Grone arbeitet in der Tradition der Pleinair-Malerei vor Ort und macht es sich zum Ziel, die Situation eines Ortes und der spezifischen Atmosphäre des Lichts in ihren Gemälden zu entsprechen. Die Ausdruckskraft der Farbe bleibt in ihrer Malerei präsent, auch wenn zugleich die Gegenstandstreue gewahrt ist. Das Prozesshafte ihrer Arbeitsweise zeigt sich auch innerhalb der Ausstellung in den kleinformatigen Skizzen und mittelformatigen Farbstudien. Die schnellen, oft farblich vereinfachten Skizzen entwickeln den Bildaufbau, während sich die mittelformatigen Farbstudien sich der Atmosphäre des Lichts und der Jahreszeiten ausdifferenziert nähern. Mal erscheint die Vegetation in sommerlicher Farbigkeit und zeichnet Schatten auf die Fassaden, mal zeigt die Malerei Caroline von Grones das moderate Licht des Herbstes.

Drei Blickwinkel zeigen jeweils die gesamte Reihenhaussiedlung einmal quer zur Länge, einmal mit epischem Diagonalblick und einmal im steilen Gegenlicht. Der vierte Blick zeigt die Reihenhäuder von der schmalen Frontseite, von der nur noch ein Individualhauseindruck entsteht. Insbesondere die großformatigen, teils mehrteiligen Bildtafeln manifestieren die Siedlung als typische Nachkriegsarchitektur, als ein Stück Archetypus von deutschem Haus, das zeitlos und allgemein wirkt. Wie viele Arbeitersiedlungen der Nachkriegszeit, wird auch die Sozialutopie der Kieler Himmelsleitersiedlung aufgegeben – die alten Häuser werden durch neu gebaute, luxuriöse Eigentumswohnungen ersetzt.

Caroline von Grone hat wie geplant in einem letzten Teil der Serie Himmelsleiter den Abriss der Siedlung malerisch begleitet und so den Zyklus dieses Reliktes der Nachkriegszeit abgeschlossen. Diese Werke sind seit dem 7. Dezember in den Ausstellungsräumen der Galerie zu sehen. Wirkten die Häuser schon in den bisherigen Werken teilweise bedrohlich, muten sie nun nahezu geisterhaft an. Caroline von Grone hält fest, wie sich die einstigen Wohnhäuser zunehmend verflüchtigen - sei es durch den fortschreitenden Abbruchprozess oder aber dadurch, dass die Gebäude bereits vorher von Natur überwuchert und von Graffitis überzogen werden und ihr ursprüngliches Dasein verlieren. Caroline von Grone setzt sich in einer ganzen Serie von Werken mit dem Motiv des Fensters auseinander, das sie eng fokussiert und in verschiedenen Versionen festhält. Besonders spannend an an den „Fensterbildern“ ist, dass sie beide Zustände zeigen: Während die Mauer und das Fenster selbst durch Risse und Zersplitterungen Spuren der Zerstörung aufweisen, spiegeln sich in den zerbrochenen Scheiben noch die gegenüber liegenden, unversehrten Häuser, denen das gleiche Schicksal bevorsteht.

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