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Thomas Florschuetz
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Thomas Florschuetz zählt zu den bedeutenden Fotokünstlern seiner Generation. Seine eigenständige Position im Bereich der künstlerischen Fotografie liegt in der Fokussierung auf die Körperhaftgkeit seiner Sujets begründet. Durch die fragmentarische Darstellung seiner Motive schafft Florschuetz autonome Bilder, die neue Wahrnehmungsmöglichkeiten eröffnen.
Florschuetz' Fotografien führen weit über das Dokumentieren der genannten Sujets hinaus. Es ist vielmehr eine Neuvermessung des Gesehenen im Koordinatensystem der individuellen Erfahrung, ein Dialog, der das Fragmentarische unserer Wahrnehmung betont und zur kreativen Auseinandersetzung damit einlädt.
Florschuetz hat sich in den letzten zehn Jahren verstärkt dem Thema Architektur zugewandt. Er beschäftigt sich mit Gebäudekomplexen, die im Kontext der jeweiligen Herrschaftsform eine Repräsentationsfunktion innehaben. In einem fotografischen Abstraktionsprozess überführt Florschuetz die dreidimensionalen Architekturzeugnisse in Bilder, die unabhängig von der Kenntnis über das Motiv hochgradig wirkungsvoll sind, ohne dabei die Bedeutsamkeit der Orte zu verleugnen.

WERKGRUPPEN (Auswahl)
Adaption - 2016
Enclosure (GC) - Golfclub, Krefeld, 2013/14
K52, 2013
GLAS/WASSER, 2012/13
Enclosure (CC) - Capitol Complex, Chandigarh, Indien, 2010/13
Enclosure (NM) - Neues Museum, Berlin, 2009/2010
Enclosure (La Jolla) - San Diego, USA, 2007/2010
o. T. (Palast) - Palast der Republik, Berlin, 2006/2007
o. T. (Jets) - Tucson, Arizona, USA, 2006/2009
Enclosure (Brasilia) - Brasilien, 2007/08
Belgravia - London, 2005
Vorhang-Bilder, 2000
Ricochet/Blumenstücke, 1997/2000
o. T. (Plexus), 1993/1996
Körperbilder, 1985/86

 



GLAS/WASSER, 2012
GLAS, WASSER, TRANSPARENZ (1990-2013)

Thomas Florschuetz’ Arbeiten der Serien Glas/Wasser und Untitled (K52) beschäftigen sich mit der Frage, wie Fotografien die Erscheinung von Gegenstände erfassen können. Die Aufnahmen der Serie Glas/Wasser fokussieren ein mit Wasser und teilweise Eiswürfeln gefülltes Glas, an dem Florschuetz, die Phänomene Licht, Farbe, Spiegelung und Reflektion auf technischer und kompositorischer Ebene untersucht. Unscharfe Farb- und Formenmuster kennzeichnen die Bilder der Serie Untitled (K52). Es ist der direkte Blick auf und aus Florschuetz’ gefrorenem und langsam auftauendem Atelierfenster. Teilweise bildet Eis auf dem Glas ein Krakelee aus, oder die Aussicht vor dem Fenster scheint nur durch eine nebelige Oberfläche hindurch. Außen und Innen verdichten sich auf dem Glas wie auf einer Mattscheibe. Bereits in den späten 1990er Jahren hat sich Florschuetz in seiner umfangreichen Werkgruppe Mutiple Entry dem Motiv des Fensters als Gegenstand gewidmet. Die nach Innen geöffneten, doppelflügeligen Fenster gliedern den Bildraum in eine gitterartige Struktur, die Durchblicke und Spiegelungen hinter- und übereinander staffelt. Manche Scheiben zeigen eine Spiegelung des Außenraumes, lassen gleichzeitig den Innenraum durchblicken und verklären die reelle Raumsituation.



ohne Titel (Ronchamp) # 03, 2005
C-print hinter Acrylglas, 183 x 148 cm
ASSEMBLY // ENCLOSURE

Der große Werkkomplex der Enclosures, den Florschuetz unter dem Oberbegriff Assembly zusammenfasst, entspringt seinem Interesse an Gegenständen, Gebäuden und Orten. Die Bezeichnung Assembly korrespondiert mit dem konstruktiven und zugleich analysierenden und strukturierenden Blick, den Florschuetz’ Fotografien auf die Bauwerke eröffnen. Beginnend mit Mies van der Rohe’s Deutschem Pavillon in Barcelona setzt sich der Künstler seit 2001 mit Formen moderner Architektur auseinander und fotografiert unter anderem Le Corbusier’s Notre Dame du Haut in Ronchamp (2002-2004) und erweitert seine Werkgruppe im Laufe der Jahre um zahlreiche Bauten und Architekten. Er folgt den Spuren Le Corbusiers und Louis Kahns von Amerika bis nach Indien und zeigt gleichzeitig die politisch-gesellschaftlichen Komponenten eines sich im Abriss befindlichen Palast der Republik (2005-2008) in Berlin oder ein einer indischen Planstadt wie Chandigarh (2010-2013).



Enclosure (GC) 02, 2013/14
C-Print, Diasec
148 x 183 cm
Zuletzt erweiterte Thomas Florschuetz mit Enclosure (GC) (2013/14) seine Enclosure-Serie um Fotografien eines von Ludwig Mies van der Rohe entworfenen Golfclubs, der 2013 als 1:1-Modell in Krefeld realisiert wurde. Thomas Florschuetz, der ein tiefes Interesse an der Architektur Mies van der Rohes hegt, besuchte das Modell mehrfach und entwickelte dabei eine beeindruckende Fotoserie.



enclosure (Brasilia) 06, 2008
Enclosure (Brasilia) von 2007/08 zeigt ausschnitthaft Brasiliens auf dem Reißbrett entworfene Hauptstadt. Florschuetz nimmt unkonventionelle Motive der Baukomplexe Oscar Niemeyers in den Blick, betont Symmetrie und Ordnung, aber auch Grenzenlosigkeit und die gigantischen Maßstäbe der Architektur.



enclosure (La Jolla) 02, 2007/10
Die Fotografien der Serie Enclosure (La Jolla) , 2007/2010, zeigen das Salk Institute for Biological Studies in La Jolla, einem Stadtteil von San Diego in den USA. Das komplett in Sichtbeton ausgeführte Gebäude wurde 1962/1963 von dem Architekten Louis Kahn erbaut. Die abstrakten Fotografien spielen mit der rationalen Rhythmik des Baus, greifen die Aus- und Durchblicke der Architektur auf und führen zugleich die Wirkkraft der Perspektive vor Augen. Dieses genuin fotografische Gestaltungsmittel der Abstraktion bewirkt in Enclosure (La Jolla) das kraftvolle Spiel von Licht und Schatten, Leichtigkeit und Schwere, das den Betrachter vor dem mannshohen Bild seine eigene Körperlichkeit auf intensive Weise spüren lässt.



ohne Titel (Palast) 55, 2006/13
Thomas Florschuetz’ besonderes Interesse in Deutschland galt der Berliner Museumsinsel. 2006/07 entstand im Palast der Republik während seiner Demontage die umfangreiche Serie Enclosure (Palast).



enclosure (Neues Museum) 17, 2009/2010, 123 x 83 cm
2009/2010 fotografierte Florschuetz das Neue Museum noch während seines Wiederaufbaus durch den Architekten David Chipperfield.
In der Serie Enclosure (Neues Museum) , 2008/13, gerät die Staffelung der Flächen und Durchblicke in der Architektur in den Fokus. Die Aufnahmen greifen das Zusammenspiel der einzelnen Schichten der Bausubstanz auf: historische Säulen, restauriertes oder vom Krieg gezeichnetes Mauerwerk sowie die Aneinandereihung der Räume.



enclosure (CC) 01, 2010/11, 183 x 150 cm, C-Print, Diasec
Seit 2010 fotografiert Thomas Florschuetz verstärkt Gebäude in Indien, die im Kontext unterschiedlicher machtpolitischer oder wirtschaftlicher Gefüge des Landes gebaut worden sind. Die Fotografien der Serie Enclosure (CC), 2010/13, zeigen den "Capitol Complex“, den Justizpalast und das Parlament im indischen Chandigarh. Dem Anfang der 1950er Jahre von Le Corbusier entworfenen Gebäudekomplex kommt als Tempel der Demokratie des freien Indiens auch idealistische Bedeutung zu.



enclosure (M.O.A.B.) 10, 2010/13
226 x 183 cm, C-Print, Diasec
Die Fotografien Enclosure (M.O.A.B.), 2010/13, nehmen mit dem 1951 von Le Corbusier erbauten Mill Owners Association Building in Ahmedabad ein parallel zu Chandigarh entstandenes und wirtschaftlich bedeutendes Gebäude in den Blick. Der Sitz des indischen Textilhandels zeichnet sich durch seine offene Bauweise und die Verbindung verschiedener Werkstoffe aus, die sich Florschuetz in seinen Fotografien gestalterisch zu nutzen macht.



enclosure (TM) 25, 2010/13
183 x 226 cm, C-Print, Diasec
In Enclosure (FS), 2010/13, sind Gebäude der indischen Stadt Fatehpur Sikri zu sehen, die zwischen 1571 und 1585 unter Kaiser Akbar die Hauptstadt des Mogulreichs war. Im Königspalst, einem weit angelegtem Hofkomplex, widmet sich Florschuetz einem typisch indischem Architekturelement, dem Jali. Die gitterartigen, häufig mit aufwendigen Ornamenten bestückten Bauteile dienen als Fenster, Raumteiler oder Balkonbrüstungen.
Florschuetz inszeniert die Jali mit Gegenlicht, um eine Durchsicht zu ermöglichen und eröffnet Assoziationsräume für Innen und Außen als räumliche Parameter. Mit Enclosure (TM), 2010/13, Fotografien des Taj Mahal in Agra, setzt Florschuetz seine Beschäftigung mit dem indischen Kaiserreich und den Jalis fort. Agra war von 1526 bis 1648 Hauptstadt des Mogulreiches, woran das Taj Mahal auch heute noch mit seiner imposanten Größe erinnert.



enclosure (JM) 01, 2010/13
183 x 226 cm, C-Print, Diasec
Enclosure (LG), 2010/13, zeigt monumentale Grabbauten der Herrscher der Lodi Dynastie in den sogenannten Lodi-Gärten in Delhi. Die Fotografien verweisen somit nindirekt auf die Bedeutung des Sultanats Delhi als Machtzentrum im 15. und 16. Jahrhundert. Fragmentarisch werden imposante Architekturelemente wiedergeben und in ihrer Monumentalität unterstrichen.



enclosure (LG) 01, 2010/13
183 x 150 cm, C-Print, Diasec
Enclosure (JM), 2010/13, nimmt das Jantar Mantar in Delhi in den Blick. Das astronomische Observatorium wurde um 1724 von Maharaja Jai Singh II als erste von fünf Sternwarten erbaut. Florschuetz inszeniert die extraordinäre Architektur der Anlage in einer Konstellation aus Flächen, Farben und Strukturen, die sich durch ihre bildinhärente Eigenständigkeit und Präsenz von ihrem Referenten, der Sternwarte, loszulösen scheinen.



ohne Titel #14, 1986, 2-teilig
frühe Körperbilder
OBJEKTE // KÖRPER

In den 1980er und 90er Jahren beginnt Florschuetz’ künstlerische Arbeit mit fragmentarischen Aufnahmen seines eigenen Körpers. In diesen frühen Körperbildern arbeitet Florschuetz mit Licht und Spiegelungen auf Haut und Körperteilen. Durch Vergrößerungen und Drehungen bekommen Haare und Finger, Schweiß und Sehnen einen Zeichenhaftigkeit, die sich von der Körperlichkeit zu lösen scheint und zwischen Wiedererkennung und Kreation eines autonomen Raumes schwankt.



ohne Titel (Plexus) VII, 1993
Von 1993/94 an entstehen die so genannten Plexus-Arbeiten, bei denen der Künstler seine Gliedmaßen durchleuchtet und so Bilder schafft, die über den gewohnten Blick auf den Körper hinausweisen.



ohne Titel (Orchideen) 02, 2000
Ende der 1990er Jahre entsteht ein umfangreicher Zyklus von Ricochet - Blumenstücke, 1997/2000, die Serie der Vorhang-Bilder, 2000 und die Videoinstallation Augenstücke, 2000. Auch diese Werke nehmen die jeweiligen Körper in Teilstücken in den Blick und lassen, unabhängig von dem Sujet, Bilder entstehen, die erst durch ihre Komposition spannungsvoll werden.



ohne Titel (Valkyrie) 11, 2007/09
Dieses Bildkonzept führt Florschuetz 2006/2009 auf monumentale Weise mit der Serie ohne Titel (Jets), 2006/09, fort. Die ausschnitthaften Fotografien ausgedienter Kampfflugzeuge und Helikopter auf dem Gelände des Aerospace Maintenance and Regeneration Center (AMARC) in Tucson/Arizona entfalten eine eindrucksvolle Körperlichkeit.



ohne Titel (Belgravia) 04, 2005
In der Serie Belgravia, 2005, bekommt der Betrachter den Kronleuchter der Residenz des deutschen Botschafters in London zu sehen. Die Untersicht und der starke Hell-Dunkel-Kontrast dieser Bilder verleihen dem abgelichteten Objekt eine eindringliche Monumentalität.