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Marta Guisande


o.T., 2003, 150 x 100 cm



o.T., 2008, 2tlg, je 45 x 35 cm



o.T., 2006, 50 x 30 cm

Eine Kultur extremer Zurückhaltung in der Handhabung der malerischen Möglichkeiten äußert sich in der Malerei Marta Guisandes. Zarte Schleier farbiger Emulsionen verstreicht die Künstlerin über die nur leicht grundierten Leinwände, einen Wechsel von transparenteren und opakeren Flächen hinterlassend. Nirgendwo in diesem Werk begegnet dem Betrachter eine lackartig versiegelte, sich der Umgebung verschließende und diese reflektierende Oberfläche. In ihrer Konsistenz erinnert die verwendete Farbe vielmehr an die atmende Leichtigkeit traditioneller Wandfarben – tatsächlich nutzt sie Acryl-, Kasein- und Dispersionsfarbe neben- und übereinander.

Die ruhige, gleichmäßige Malbewegung, der man den Radius der ausführenden Hand jedoch immer noch ansieht, bleibt als feines Relief der Pinselspuren im Farbkörper auch nach Abschluss aller Arbeiten präsent. Mitunter sind die aufgetragenen Farbschleier so dünn, dass die Faserstruktur der textilen Bildträger zusätzlich strukturbildend wirkt. Viele der Arbeiten sind aus mehreren Farbschichten übereinander aufgebaut, die aber jeweils auf ein durchscheinendes „Fast-nicht-mehr“ zurückgeführt werden, so dass noch unter der letzten Schicht alle vorhergehenden in Spuren kenntlich bleiben.

Weniger ist bei Marta Guisande immer mehr. Das ist durchaus wörtlich zu nehmen, denn in bestimmten Phasen der Arbeit beginnt die Künstlerin, das Aufgetragene linear oder flächig wieder abzutragen. Das kann im noch feuchten Zustand der Farbe geschehen, so dass die zuletzt aufgetragene Schicht einfach mit einem Gegenstand beiseite gedrückt wird. Mitunter scheint die entsprechende Lineatur mit einer anderen Farbe erst vorgezeichnet worden zu sein, die nun – bis auf die bereits angetrockneten Ränder –ebenfalls wieder ausgewischt wird.
In anderen Fällen ritzt und schmirgelt sie die Oberfläche nach deren Trocknung auf, so dass Spuren entstehen, den Anzeichen von Verschleiß ähneln, welche Gegenstände durch intensiven Gebrauch erhalten. Zum Teil haben sich größere Farbschollen wie zufällig an den Rändern oder an den Kreuzungen der Kratzspuren gelöst. Sie werden ebenso in die Gesamtwirkung der Bilder integriert wie feine Risse, die sich beim Trocknen in der Farboberfläche bilden können. Stumpfe und poröse, also „atmende“ Oberflächen lassen die verwendeten Pigmente zur vollen Wirkung kommen; die Bilder leuchten gleichsam aus sich selbst heraus.

So erhält das an sich flache Bild, die Malfläche, eine räumliche Dimension: Vergangenes, Verborgenes scheint in die Gegenwart der Betrachtung hinein. Manche jener grafischen Verletzungen der Bildhaut überzieht die Künstlerin wie zur Heilung erneut mit einer semitransparenten Farbschicht, so dass die Eingriffe darunter mehr zu erahnen als zu sehen sind. Dann steht man vor einer scheinbar monochromen Fläche- die unter der Oberfläche liegende Bewegung erschleißt sich nur dem konzentrierten, auf kleinste Kontraste sensibilisierten Schauen.

Man könnte auch sagen, dass „Tiefe“ dabei eher als geistige denn als sinnliche Kategorie erscheint.
Dr. Kai-Uwe Schierz, Kunsthalle Erfurt